Essentials: Wie Vergebung ohne Versöhnung gelingt

Shownotes

Axel Dubinski hat viele Familienaufstellungen gemacht, um einen Weg zu seinem Vater zu finden. Er wünschte sich als Sohn echten Kontakt und eine echte Beziehung zu ihm. Nach der Trennung seiner Eltern standen für den Vater die beiden Töchter seiner neuen Frau an erster Stelle, und Axel, der älteste Sohn, existierte für ihn nach eigener Erinnerung eigentlich nicht mehr. In allen Aufstellungen hat sich gezeigt: keine Chance. Wie schließt du Frieden mit einer Verletzung, wenn der andere keinen Dialog möchte? Und was würde sich für dich ändern, wenn du mit einer alten Verletzung Frieden schließen könntest, ohne dass der andere sie wiedergutmacht?


In dieser Essentials-Folge von Schonungslos & Ehrlich spricht Axel allein über den Unterschied zwischen Vergebung und Versöhnung. Er erklärt, dass Vergebung ein Prozess ist, den du allein vollziehen kannst, während eine Versöhnung immer das Gegenüber braucht. An seiner Geschichte mit seinem Vater und an der Trennung von seiner früheren Frau zeigt Axel zwei sehr verschiedene Ausgänge: Mit seinem Vater war eine Versöhnung nicht möglich, mit seiner früheren Frau verbindet ihn bis heute eine Freundschaft. Du hörst, welcher der beiden Wege in deiner Hand liegt und was für den anderen Weg zusätzlich nötig ist.


Du erfährst:

  • Was unterscheidet Vergebung von Versöhnung, die Axel als zwei unterschiedliche Treppen beschreibt?
  • Welche Rolle spielt es beim Vergeben, zuerst anzuerkennen und zu durchfühlen, was dir angetan wurde?
  • Warum halten manche Menschen ihr Leben lang an Rache und Vergeltung fest?
  • Was half Axel dabei, den Mangel und die Sehnsucht nach seinem Vater als Teil seines Lebens anzunehmen?
  • Wie gelang Axel nach der Scheidung von seiner Frau eine Versöhnung, die bis heute als Freundschaft hält?
  • Welche Stufen braucht eine Versöhnung, damit nach einer Verletzung wieder Vertrauen entsteht?


Kapitel:
00:00 Intro: Vergebung und Versöhnung
00:58 Vergebung gelingt alleine, Versöhnung braucht das Gegenüber
02:03 Raus aus dem Gedankenkarussell: Der Kernprozess des Vergebens
03:41 Was echte Versöhnung bedeutet
04:22 Die eigene Entscheidung: in der Verletzung bleiben, Rache oder Vergeltung üben
05:31 Axels Geschichte: Ein Vater, der kaum präsent war
07:27 Familienaufstellungen und die Erkenntnis: Keine Chance
08:20 Frieden schließen mit dem, was war
10:14 Gelungene Versöhnung nach der Scheidung
12:50 Vergeben braucht Zeit: anerkennen und durchfühlen, was angetan wurde
14:51 Was Versöhnung braucht und wie daraus neues Vertrauen entsteht


Wenn dich diese Folge bewegt

Axel erzählt, wie lange ihn die Sehnsucht nach seinem Vater beschäftigt hat und dass der Weg zur Vergebung ein anspruchsvoller Prozess war. Hier knüpfen die TraumaDialog® Seminare von HealVersity an, besonders Seminar 1 mit dem biografischen Schwerpunkt auf deinen eigenen Erfahrungen und Seminar 2 mit dem Blick auf Loyalitäten und Familienaufträge. Vor Ort am Chiemsee arbeitest du gemeinsam mit anderen daran, solche Erfahrungen bewusst wahrzunehmen und einzuordnen.


In drei fünftägigen Präsenzseminaren arbeitest du mit Axel, Timo und ihrem Team auf drei Ebenen:


  • Seminar 1, biografisch: Wie wirken deine eigenen Erfahrungen bis heute in deinem Nervensystem nach, und welche Ressourcen und Talente stecken in ihnen?
  • Seminar 2, transgenerational: Welche unbewussten Loyalitäten und Familienaufträge trägst du bis heute mit?
  • Seminar 3, kollektiv: Wie wirken historische Wunden in Gruppen, Organisationen und Gesellschaft weiter?


Die nächsten Termine:
Seminar 2: 27.11. bis 01.12.2026
Seminar 3: 18. bis 22.03.2027
Seminar 1: 09. bis 13.05.2027
➤ Alle Infos zu den TraumaDialog® Seminaren: l.healversity.com/podcast-21-traumadialog


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Mehr von Timo & Axel
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Wenn du an eine alte Verletzung denkst: Bei welcher liegt die Entscheidung zu vergeben bei dir, und bei welcher bräuchte eine Versöhnung dein Gegenüber? Erzähl es uns auf Instagram oder in den Kommentaren zu dieser Folge. Und wenn du mehr solcher Gespräche möchtest: Abonniere den Podcast, damit du keine Folge verpasst.


Viel Spaß beim Hören!
Axel & Timo

Transkript anzeigen

00:00:00: Ja, willkommen zu Schulungslos und ehrlich.

00:00:03: Heute mit einem Kurz-Podcast!

00:00:07: Mein Thema heute ist Vergebung und Versöhnung.

00:00:12: Was ist das eigentlich?

00:00:13: Wie hängt es miteinander zusammen?

00:00:16: Und was braucht's damit Vergebungen und Versöhnung gelingen können?

00:00:22: Das große christliche Gebet in unserer Vater lautet ja «und vergib uns unsere Schulden wie wir unseren Schuldigern vergeben».

00:00:36: impliziter Zusammenhang postuliert.

00:00:39: Das heißt, ich selber kann nur Vergebung erlangen wenn ich vergebung gewähre.

00:00:51: ist das wirklich so?

00:00:54: und wenn ja was ist Vergebungsüberhaupt?

00:00:58: Vergebungen sind in der Tat ein Prozess.

00:01:00: den kann ich alleine vollziehen im Unterschied zu Versöhnung.

00:01:04: da brauche ich immer dass das gegenüber damit einer etwas altes heilen kann und eine neue Beziehung gelingt.

00:01:14: Deswegen sind Vergebung und Versöhnung sozusagen nicht zwei Stufen derselben Treppe, sondern das sind zwei unterschiedliche Treppen die gegangen werden muss.

00:01:34: Wenn ich selber Erfahrungen gemacht habe, wo mich jemand verletzt hat wenn wir fast weiß ich, jemand hat mir mein Fahrrad gestohlen dann kann ich dem Täter vergeben, ich kann zur Polizei gehen Anzeige erstatten weil ich es zurück haben möchte.

00:02:08: Was ist eigentlich der Kernprozess um den es beim Vergeben geht?

00:02:19: Dem Vergeben gibt ja eine Tat voraus die an mir begangen wurde und wenn diese Tat äußere oder innere Verletzung in mir hinterlässt die mich beschäftigen, die mich behindern... ...die nicht meine Kraft kommen lassen.

00:02:44: Dann ist es wichtig zu erkennen so sagen wie werde ich davon frei?

00:02:51: Wie komme ich wieder zurück in meiner Autonomie, in meiner Handlungsfähigkeit?

00:02:59: Wie komm' ich raus aus diesem Gedankencarousel?

00:03:03: Wie ungerecht und schlimm mir das...?

00:03:09: dass in mir wirkt, was mehr angetan worden ist.

00:03:14: Und Vergebung fragt sozusagen ob ich mich aus diesem inneren Gedankenkarussell, ob ich sich aus dieser Verletzung lösen kann?

00:03:29: Während Versöhnung fragts können wir eine neue verantwortbare und verantwortliche Beziehung gestalten.

00:03:43: bedeutet nicht in den alten Beziehungszustand zurückzugehen, sondern Versöhnung bedeutet immer das nach der Verletzung, nach der Tat etwas Neues gemeinsam möglich wird.

00:03:57: Und es sind in der Tat zwei unterschiedliche Wege zu gehen und wie ich anfänglich schon gesagt habe, Vergebung kann ich alleine machen.

00:04:11: die Frage ob wenn Ich vergebe ob mir dann auch vergeben wird würde ich jetzt nicht so sagen, mit diesem klaren Ja beantworten.

00:04:22: Ob ich jemand vergebe ist und bleibt ja meine eigene Entscheidung?

00:04:27: Ich entscheide ja ob ich in der Verletzung bleibe, ob ich Wiedergutmachung will oder ob ich Rache üben möchte, ob sich Vergeltungen üben möchten.

00:04:42: Diese Entscheidung... diese Entscheidung ist mir überlassen!

00:04:48: Und ich kenne Menschen die die ihr ganzes Leben nicht vergeben können wollen, weil sie, weil die Vergeltung, die Wiedergutmachung so Identitätsstiften für Sie ist dass sie den Rest ihres Lebens damit beschäftigt sein können sich an ihrer Umwelt zu rächen oder wieder Gutmachungen zu erfahren.

00:05:20: Ich mache mal einen konkreten Beispiel ich habe ein Vater gehabt der ... präsent war in meinem Leben.

00:05:31: Und ich kann mich also an drei Ereignisse erinnern, wo ich den Vater hatte... ... den ich mir immer gewünscht habe und für diese drei Eereignisse bin ich total dankbar.

00:05:50: Und gleichzeitig gab es viele Phasen und Eregnisse, ... ... wo ich diesen Vater nicht hatte.

00:05:58: Nach der Trennung meiner Eltern Und nachdem mein Vater in einer neuen Beziehung war, war ich als ältester Sohn eigentlich nicht mehr für ihn Existenz.

00:06:10: Sondern die beiden Töchter in seiner neuen Beziehung, die seine Frau mitgebracht hatte in die Ehe standen für ihn an erster Stelle.

00:06:22: Das hat mir eine innere Verletzung verursacht und eine Wunde!

00:06:35: Und diese Wunde konnte nie geheilt werden.

00:06:41: Diese Wunde war sozusagen nicht besprechbar und ich hatte jetzt die Wahl, ob ich immer danach Strebe wieder gutmache von meinem Vater zu erfahren ihn zu bewegen sich nicht doch zu ändern.

00:07:08: dieses Sehnsucht nach dem verlorenen Papa hat mich wirklich immer wieder in unterschiedlicher Intensität über die Jahre beschäftigt und das gilt sinngemäß auch für die Suche nach der verlorenen Mama.

00:07:27: Und ich kann mich noch erinnern, wie viele Familienaufstellungen ich gemacht habe um zu sehen ob es nicht doch ein Weg gäbe mit meinem Vater wirklich in Kontakt, in Kommunikationen Beziehung zu kommen das zu erhalten, was ich mir als Sohn immer gewünscht habe.

00:07:49: In allen Aufstellungen hat sich gezeigt keine Chance.

00:07:55: Das heißt die Wahl, die ich jetzt noch hatte war durch meine Verletzung und meine Wunde zu mir genommen hab und darauf verzichtet habe wieder Gutmachung oder eine Änderung im Verhältnis zu meinem Vater zu erwarten sondern mit dieser Wunde mit diesem Mangel, mit dieser Sehnsucht zu leben als Teil meines Schicksals und Meines Lebens.

00:08:27: Und um das gut hinzukriegen war es für mich wirklich tatsächlich hilfreich ihm in dem Sinne zu vergeben also Frieden damit zu schließen.

00:08:46: dass ist so wahr wie's gewesen ist Hoffnung auf Änderung und Wiedergutmachung aufzugeben.

00:08:56: Das war sehr wohl, das war ein anspruchsvoller Prozess und ging jetzt auch nicht von heute auf morgen.

00:09:07: aber ich habe es hingekriegt und dadurch habe ich dann auch so eine innere Freiheit und Unabhängigkeit erworben und ich konnte sozusagen meine Energien auf was anderes verwenden meine Energien darauf verwenden, für meine Kinder eine andere Art von Papa zu sein als das was ich selber erlebt hatte.

00:09:35: Eine Versöhnung in dem Sinne war mit meinem Vater nicht möglich dass wir tatsächlich eine neue Art von Beziehungen hinbekommen haben, dass er sich dazu gestellt hätte dass er mich gesehen hätte und meinen Schmerz, meine Verletzung und was es für mich bedeutet hätte.

00:10:01: Er hat mich nieder nachgefragt und der stand auch für einen Dialog an dieser Stelle nicht zur Verfügung.

00:10:14: also von daher ist das ein gutes Beispiel dafür.

00:10:18: vergebung ja aber versöhnung in dem falle war nicht möglich.

00:10:29: ein anderes beispiel Für Versöhnung ist das nach meiner Scheidung von meiner Frau.

00:10:44: Das war ein schmerzhafter Prozess und wir haben es, es ist uns gelungen sozusagen zu thematisieren was wo wir uns wechselseitig verletzt haben warum unsere Beziehung zu Ende gegen was es mit sich gebracht hat und was uns auch in Zukunft verbinden würde wie die Zukunft unsere Beziehung ausschauen könnte, indem wie etwas Neues entsteht.

00:11:20: Und das ist tatsächlich bis auf den heutigen Tag so dass wir uns in einer liebevollen Freundschaft verbunden sind.

00:11:31: und da jetzt... ...und es ist immer wieder schön zu erleben, dass schon dann durch den Schmerz hindurch und durch die Trennung hindurch um daraus keine Feindschaft entstanden ist uns nicht aneinander rechnen mussten, dass wir keine Vergeltung wollten für erlitten Schmerz.

00:11:56: Sondern das jeder seinen Schmerzen zu sich genommen hat und damit auf der einen Seite etwas zu Ende gehen konnte in Beziehungen und auf der anderen Seite aber auch etwas Neues beginnen konnte wo wir uns heute immer noch ein liebevoller Freundschaft verbunden sind und gleichzeitig wo unsere Kinder natürlich längst erwachsen sind, auch immer noch gemeinsam Eltern unserer Kinder sind.

00:12:30: Also von daher nochmal um das vielleicht zusammenzufassen ist es wichtig diese Unterscheidung zu haben kann und will ich vergeben und das liegt in meiner Hand und in meiner Entscheidungsmacht.

00:12:50: und es ist wichtig sozusagen wenn ich's vom Herzen tun will dass sich mir auch die Zeit nehme um zu vergeben.

00:12:58: und oft ist dafür die Voraussetzung, da ich erst mal anerkenne was mir angetan worden ist.

00:13:03: Dass ich auch realisiere und durchfühle, was mir gefehlt hat welche Verletzungen mir zugefügt wurden sind welchen Schmerz ich durchlaufen habe und was meine Wut und meinen Ärger und auch meiner Vergeltungsimpulse waren.

00:13:22: und wenn das alles Raum gefunden hat und da sein darf dann können sich diese Gefühle auch anfangen zu verändern.

00:13:34: Und in dem Sehen der eigenen Wirklichkeit dessen, was ich erlebt habe wenn das in vollem Umfang präsent sein darf eröffnet mir es auch die Perspektive auf den anderen sehen zu können In dem Fall auf mein Vater, der selbst vaterlos aufgewachsen ist Zu sehen welche Traumata ihn begleitet haben und und ein Verständnis für ihn zu entwickeln, was er konnte und was er nicht konnte ohne meinen eigenen Schmerz.

00:14:13: Ohne meine eigenen Erfahrungen in irgendeiner Form zu relativieren.

00:14:17: Sondern der konnte so beides nebeneinander sein meiner erlebte Realität Und seine Herkunft seiner Erfahrung seinen Lebensweg und das hat diesen Prozess von Vergebung ermöglicht.

00:14:36: Für Versöhnung braucht es den anderen und dazu braucht es die Bedingungen, dass erst mal anerkannt wird was geschehen ist also das die Wahrheit auf den Tisch kommt, dass der andere Verantwortung dafür übernimmt was er oder sie getan haben dass es so etwas wie eine glaubwürdige Reue gibt und auch den Willen, etwas wieder gut zu machen das dann in ein neues Verhalten mündet.

00:15:12: Und aus diesem neuen Verhalten, d.h.

00:15:14: aus der Erfahrung die ich dann machen kann, kann entsteht Vertrauen?

00:15:22: Dann kann auch eine neue Sicherheit entstehen, dass die Beziehung die sich daraus neu entwickelt auch tragfähig sein wird.

00:15:33: Versöhnung in diesem Stufenprozess tatsächlich gelingt, kann die geheilte Beziehung eine größere Tragfähigkeit und Tiefe entwickeln als sie vorher gehabt hat.

00:15:51: Und das ist die Chance von tiefer Versöhnung.

00:15:58: aber die Voraussetzung bleibt alle beteiligten Parteien müssen für diesen Prozess zur Verfügung stehen und auch diesen Weg zu einer gemeinsamen Versöhnung gehen.

00:16:12: So viel für heute, danke fürs Zuhören!

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