Die Psychologie der Einsamkeit: Warum wir alles haben und trotzdem einsam sind

Shownotes

Bevor Timo vor zweieinhalb Jahren auf einen Hof zog, lebte er allein in einer Einzimmerwohnung in München, und abends lief eher mal Netflix. Heute lebt er dort mit anderen zusammen, und abends kommt die Gitarre raus. Den Moment kennt er trotzdem bis heute: Wenn es ihm nicht gut geht, scrollt er durch Amazon, obwohl er nichts braucht. Was fehlt uns eigentlich, wenn wir alles haben und uns trotzdem allein fühlen?

In dieser Folge von Schonungslos & Ehrlich sprechen Timo und Axel über die Kehrseite der radikalen Individualisierung. Die Freiheit des Einzelnen hat uns viel gebracht: eigene Rechte und die Chance, das eigene Leben zu gestalten. Wann kippt diese Freiheit in Vereinzelung? Und was meint Axel mit dem Wort Wohlstandsverwahrlosung?

Du erfährst:

  • Was hat Timo in Kolumbien erlebt, das ihm hier fehlt?
  • Warum fehlt Kindern, die alles haben, oft das Wichtigste?
  • Warum hat Großbritannien eine Kommission gegen Einsamkeit gegründet?
  • Wer verdient eigentlich an deiner Einsamkeit?
  • Welche Frage in Kenia hat Axel bis heute nicht losgelassen?
  • Was kannst du von einer Dorfkneipe in Bayern lernen?

Kapitel:
00:00 Intro: zweieinhalb Jahre Gemeinschaft und die Frage nach der radikalen Individualisierung
01:11 Individualisierung als Konkurrenz: Erfahrungen aus Schule und Beruf
03:19 Timos Einschulung und die Kleinfamilie
07:05 Stände, Bildung und eigene Rechte: Was wir der Individualisierung verdanken
09:09 Industrialisierung: Wie die Gemeinschaft zerbröckelt
12:07 Individualisierung oder Vereinzelung? Axels Jahre in der Toskana und in Afrika
14:54 Selbstoptimierung, Status und Sinnleere
17:38 Vom Wir zum Ich: Wenn Einzelinteressen Gemeinschaftsprojekte blockieren
20:21 Kolumbien: arm und trotzdem eingebettet
23:44 Hat die Ich-Zentrierung mit Trauma zu tun?
27:00 Wohlstandsverwahrlosung und die Einsamkeitskommission in Großbritannien
29:53 Einsamkeit und Konsum
34:53 Getrennt voneinander: Warum wir uns online angreifen
36:28 Influencer, Selbstoptimierung und Longevity ohne Gemeinschaft
40:58 Axel in Kenia: „ich weiß, dass ich nur heilen kann, wenn ich zur Heilung anderer beitrage“
44:39 Verbindung in Gruppen: was Timo in Seminaren erlebt
47:10 Was hilft, wenn du dich einsam fühlst?
48:30 Gemeinschaft neu lernen: die Dorfkneipe als Vorbild
51:04 Erich Fromm und Timos Leben auf dem Hof
53:20 Mehr als Therapie: Warum sich auch die Systeme ändern müssen
56:11 Von der Konkurrenz zur Co-Kreation
57:18 Othering und das Ende der Feindbilder

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Mehr von Timo & Axel
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Viel Spaß beim Hören!
Axel & Timo

Transkript anzeigen

00:00:01: Ja, da sind

00:00:04: wir wieder.

00:00:05: Herzlich willkommen!

00:00:05: Danke ganz gut.

00:00:07: Ich freue mich auf schonungslos und ehrlich.

00:00:10: Gebt

00:00:10: mir genauso.

00:00:13: Wir haben uns davor ein bisschen unterhalten worüber wir heute sprechen wollen.

00:00:17: Und wir leben jetzt schon seit zweieinhalb Jahren in der Gemeinschaft und ich würde sagen, da gibt es Aspekte wo wir möglicherweise gescheitert sind.

00:00:26: Da gibt es aspekte die möglicherweise auch gut liefen.

00:00:30: Und dann haben wir so darüber gesprochen, wie wär's denn wenn wir uns mal über das Thema der radikalen Individualisierung unterhalten?

00:00:37: Das hat ja eine ganze Geschichte.

00:00:39: Die Individualisierung mit sehr viel wichtigen Schritten und Entwicklungen für uns als Menschen die wir heute in einer Demokratie leben.

00:00:49: Und gleichzeitig gibt es aber auch ne Kehrseite dieser radikalen Individualisierung.

00:00:55: Wo hast du denn so in deinem eigenen Leben, sage ich mal diese Individualisierung, diese radikale Individualisierung erfahren?

00:01:03: Oder wie nimmst Du das wahr an Deinem Alltag?

00:01:11: Lass mich mal kurz überlegen.

00:01:13: Wann habe ich das zum ersten Mal?

00:01:18: Wann ist mir es bewusst geworden?

00:01:19: Ich glaube mit dem Eintritt ins Gymnasium und zwar hab' ich da... Diese Individualisierung, ich habe das als Konkurrenz erlebt.

00:01:38: In der Grundschule waren wir eher noch so ein Klassenverbund.

00:01:44: Ich kam dann später.

00:01:46: da gab es so eine Kurssysteme.

00:01:49: hast du Leistungskurse gehabt und andere Kurse?

00:01:52: Und da ging schon darum wer ist der Beste?

00:01:58: Bin ich besser als die anderen?

00:02:03: Individualisierung im Sinne von Konkurrenz.

00:02:07: Da habe ich das dann so erlebt und später mit dem Eintritt ins Berufsleben, also ich hab oft so Konstellation gehabt jeder gegen jeden.

00:02:23: Das war schon krass weil ich eigentlich jemand bin der schon den Gemeinschaften schon wichtig sind.

00:02:33: Ich war auch Klassensprecher gewesen in der Schule und sowas.

00:02:37: Aber ich habe tatsächlich erlebt, dass du wurdest individuell gefördert.

00:02:46: Es gab diese individuelle Konkurrenz.

00:02:50: Du musstest einen Noten- und Durchschnitt kriegen um Medizin oder so studieren zu können.

00:02:57: Und ja ... Ich glaube am Anfang habe ich Individualisierung.

00:03:04: Ich habe das nicht erlebt sozusagen als Ausprägung meiner eigenen Persönlichkeit, meiner eigenen Fähigkeiten, Talente, Neigung und so weiter.

00:03:11: Ich hab das eher Individualisierung als Konkurrenz am Anfang erfahren.

00:03:17: Weiß nicht wie es bei dir war?

00:03:19: Da kann ich mich anschließen.

00:03:20: also... So das erste mal wo ich wahrscheinlich bewusst darüber nachdenken kann war definitiv auch dann wo ich eingeschult worden bin.

00:03:28: Ich weiß noch, ich habe ja sehr sehr gestruggelt in meiner Einschulung.

00:03:30: Auch so das erste Schuljahr hatten wir auch schonmal drüber gesprochen im Podcast.

00:03:36: Da hab ich erlebt, wie ich eigentlich immer von diesem gemeinsamen Entwicklung spielen.

00:03:41: Gemeinsam Ding ausprobieren bin ich auf einmal so reingekippt Ich bin komplett für mich alleine.

00:03:45: Ich stehe jetzt alleine da und muss irgendeine Herausforderung lösen Und die anderen sind im Zweifel noch gegen mich weil sie wollen auch ein Stück besser sein.

00:03:52: und diese Konkurrenz wurde natürlich auch geschaffen von der du gesprochen hast Nicht nur unabsichtlich sondern tatsächlich war absichtlich also gerade wenn man so auf so einer Dorfschule da sind auch noch Watschen geflogen ob ich meine ich bin Da sind tatsächlich noch ... Ich hab's nicht abbekommen, aber es waren schon geflogen.

00:04:09: Es wurde sehr heftig mit den Kindern umgegangen und wurden auch isoliert.

00:04:13: Es wird mal ein Kind eingesperrt bis sie sich eingenässt hat im Musikraum.

00:04:16: Also heftigste Sachen, wo ich dachte so in dem Zeitpunkt.

00:04:18: D.h.,

00:04:19: da habe ich das erste Mal erlebt.

00:04:20: Aber wenn ich so wirklich überlege, fängt's eigentlich schon ... also, wenn ich bewusst rational drüber nachdenke, fängts eigentlich schon daran, dass ich in einer kleinen Familie aufgewachsen bin.

00:04:29: Weil ich glaube diese großen Gemeinschaften früher Tribes, wo es so war dass Kinder schon ganz viele Bezugspersonen hatten.

00:04:39: Vertrauenspersonen.

00:04:40: sie haben gelernt von verschiedenen Menschen gelernt verschiedene Menschen haben sich um sie gekümmert und bei uns beginnt es in dieser modernen Gesellschaft ja schon damit das möglicherweise häufig ist Mutter-Vater müssen beide arbeiten, dann kommt vielleicht eine Tagesmutter.

00:04:55: Dann kommt die Kita und so weiter.

00:04:56: Das heißt schon sehr früh erlebt, dass man eben nicht von einer Gemeinschaft getragen ist sondern das so ein kleines Familiensystem ... Manche sind ja auch größer, bei mir war es ein sehr kleines ... Ein kleines Familiensystem für sich kämpft Und da glaube ich hatte's schon so angefangen.

00:05:13: Ich glaube, es ist wichtig.

00:05:14: Wir wollen ja heute ein bisschen über dieses Thema radikale Individualisierung sprechen.

00:05:18: Die hat ja nicht nur Nachteilige – also wenn wir noch drüber sprechen wozu sie heute führt unter anderem auch Nachteile gesehen.

00:05:27: aber erst mal gab's ja.

00:05:28: geschichtlich war die Individualisierung eine ganz wichtige Bewegung und in den vormodernen Gesellschaften war es ja noch so.

00:05:36: das gab die Stände.

00:05:38: Das heißt, wenn du Pech hattest bist du in einem Stand geboren worden der hatte nicht viel zu sagen.

00:05:41: das heißt du hast gewisse Arbeiten machen müssen Du hast andere bedienen müssen.

00:05:45: Du warst Bedienstet und so weiter Religion noch ganz stark geprägt auch.

00:05:50: Und dann gab es ja so gab sie Renaissance.

00:05:53: Dann gab's die Aufklärung und dann begann Ja sozusagen dieses Denken darüber hey der Mensch sozusagen Nicht nur Inständen oder in Schubladen zu denken sondern ist begann Sozusagen wie was Gleichheit Freie Gleichheit-Brüderlichkeit.

00:06:11: Das heißt, die Freiheit ging einher mit eigenen Freiheitsrechten gleich vor dem Gesetz zu sein und Brüderigkeit – und das glaube ich haben wir ein bisschen verschwitzt – war in Gemeinschaft zu sein.

00:06:23: Das war ja diese Brüterlichkeit, die Idee dahinter.

00:06:25: Wir haben uns sehr auf die anderen zwei fokussiert.

00:06:28: Genau, ich glaube so war gab es eine wichtige Entwicklung dieser Individualisierung die uns ermöglicht hat dass wir als individuum uns kreativ ausleben dürfen das wir selbst verwirklichen dürfen Dass wir nicht Angst haben müssen weil wir in irgendein Stand geboren werden.

00:06:42: Das wird halt einfach pech gehabt haben.

00:06:44: natürlich gibt's noch systemische Probleme auch.

00:06:46: aber erst mal hattest du der Form des Zusammenlebens geführt die wir heute erleben in unseren gesellschaften einmal gewisse art von demokratie Und gleichzeitig aber auch, hey ich weiß vor dem Recht bin nicht gleich.

00:07:05: Ich glaube es ist auch wichtig sich nochmal sozusagen zu vergegenwärtigen dass Individualisierung hat sehr viel mit Bildung zu tun.

00:07:18: und wem war denn im Mittelalter in diesen Standesgesellschaften?

00:07:23: Wem war denn Bildung zugänglich?

00:07:25: Das war in der Regel dem Adel und dem Klerus.

00:07:32: Der Rest hatte nicht diesen Zugang zur Bildung.

00:07:35: Das heißt, du warst, wurde es definiert wenn du nicht zum Klerus oder Adel gehört hast als Angehöriger eines Standes einer Gruppe, eines Dorfes und also Du warst sozusagen Gemeinschaftswesen.

00:07:54: Und genau das wie du das beschreibst ist eine französische Revolution.

00:07:59: Und dann begann das ja sozusagen in den einzelnen Verfassungen auch aufzuschreiben, dass es sich um Einzelwesen handelt und diese Einzelwesten haben unveräußerliche Rechte.

00:08:12: Das gab's vorher nicht!

00:08:14: Du hattest keine persönlichen unveröesserlichen Rechte und deswegen warst du eben auch der Willkür ausgeliefert.

00:08:23: Von daher glaube ich war... diese Individualisierung, das Sehen des einzelnen Menschen als eine eigene Identität und Entitietät war ein total wichtiger Schritt.

00:08:39: Und ich glaube es ist auch eine große Errungenschaft unserer Zivilisation uns als Einzelwesen zu verstehen und uns auch als Einzelswesen entwickeln zu dürfen mit unseren Talenteneigenschaften usw.

00:08:55: Gleichzeitig ... diese Bewegungsrundstand und damit zum Nutzen der Allgemeinheit mit beizutragen.

00:09:04: Also das gehörte dann immer noch zusammen zu der damaligen Zweit.

00:09:08: Ich

00:09:08: glaube, ich komme dann auch noch hin was bedeutet eigentlich das Zusammenführen von Individuum- und Gemeinschaft?

00:09:14: Ich glaube ganz wichtig!

00:09:16: Es hat ja irgendwo begonnen... also unsere Freiheitsrechte haben wir wie gesagt der Individualisierung auch zu verdanken.

00:09:23: in dieser Bewegung.

00:09:24: Gleichzeitig gab es irgendwo auch ein Bruch, was die Gemeinschaft angeht.

00:09:27: Das heißt wir haben ja... Also wenn man wirklich weit zurückgeht in der Geschichte, haben wir in Gemeinschaften gelebt.

00:09:32: Das heisst dein Beitrag zur Gemeinsschaft war das, was sozusagen gezählt hat.

00:09:38: und wenn du möglicherweise krank wurde oder wenn du das Problem hattest dass du ausgestoßen wirst von der gemeinschaft dann war klar das Überleben wird verdammt schwierig.

00:09:46: Das heißt, du warst einfach schon biologisch darauf ausgerichtet einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten was ja auch mit einer gewissen Sinnerfüllung einhergehen kann und Du warst eben nicht nur allein für Dich verantwortlich.

00:09:58: in der Industrialisierung haben wir dann so erlebt dass immer mehr im Vordergrund gerückt wird vielleicht auch weg von diesem Agrar-Landwirtschaft wo Familien oder ganze Gemeinschaften zusammen Felder bestellt haben usw.

00:10:11: sind wir da hin ... praktisch häufig die Väter dann einen Arbeitsplatz gefunden haben, ein Stück weg von daheim.

00:10:20: Das heißt man hat dann begonnen okay, man konnte dann allein davon leben... ...von dem Verdienst der dort entstanden, das heißt da ist schon so eine gewisse Unabhängigkeit entstanden,... ...hat aber auch gleich zufolge gehabt dass beispielsweise die Vater weg waren von Daheim,... ...das heißt die Kinder ob Töchter oder Söhne haben den Vater auf einmal nicht mehr gesehen.

00:10:35: Da war ein Riesen Gap, d.h.

00:10:36: da hat schon so'n erster Schritt des Getrennsseins... begonnen weg von.

00:10:41: ich erlebe als kind in der entwicklung meine beiden elternteile.

00:10:46: und Dann wenn man dann so weiter geht haben wir erlebt auch in unserem leistungssystem dass es irgendwann nicht mehr gereicht hat das sagen ein teil einen elterntal arbeiten gegangen ist sondern dann Unterdessen müssen meistens beide elternten arbeitengehen.

00:10:59: Das heißt, das Kind muss früh irgendwo abgeben werden.

00:11:01: Das heisst wer leben immer mehr?

00:11:03: Dass die verantwortung und diese existenzsicherung wird auf den schultern einer klein oder wird auf die schuld an einer Kleinfamilie gegeben.

00:11:13: Mit allen Vor- aber auch allen Nachteilen, Ängsten... Es ist ja auch ein Gewicht was wirklich da immer getragen wird.

00:11:19: wenn man sozusagen komplett individuell alles allein stemmen muss dann wird noch geguckt okay und verwirklichst du dich um machst du Karriere und wo stehst du überhaupt?

00:11:27: usw.

00:11:28: Das heißt man hat diesen kompetitiven Blick noch darauf Und das war früher teilweise Anders, also sozusagen schon mehr gemeinschaftlich gedacht wurde und gemeinschaftliche das Überleben gesichert wurde.

00:11:40: Und das heißt ich konnte als einzelner ganz anders mich regulieren auch mein Nervensystem die Ängste die da waren

00:11:48: usw.,

00:11:48: weil ich war ja nicht der einzigste der dafür verantwortlich ist dass meine Familie überlebt oder die Eltern zusammen.

00:11:54: Ich glaube da hat es dann so eine Industrialisierung angefangen durch diese einzelne Arbeitsplätze ... musst du nur noch für mich und meine Familie möglicherweise sorgen, ... ... dass du diese Gemeinschaft immer mehr zerbrückelt bist.

00:12:08: Ich glaube es ist wichtig zu unterscheiden zwischen ... ... Individualisierung was für mich eher positiv besetzt

00:12:13: ist... ...

00:12:15: in diesem Sehen mich als Einzelwesen entfalten und entwickeln zu können ... ... und mich getrennt fühlen dieser Vereinzelung und diesem Alleinsein.

00:12:28: Und ich glaube viel von dem was wir besprechen hat wahrscheinlich mehr mit Alleinsein zu tun als mit Individualisierung.

00:12:37: Ich habe ja selber gut zehn Jahre in Italien gelebt und in Italienne, ich hab im ländlichen Raum an der Toscana gelebt Und da funktionieren die Familiensysteme noch.

00:12:51: Also da bist du wirklich zugehörig zu einer Gemeinschaft, zu einem Familiensystem und aber gleichzeitig hat das Familiensystem immer den Vorrang.

00:13:04: Das heißt, du musst dann tatsächlich oft übernehmen den Beruf des Vaters oder die Landwirtschaft.

00:13:12: Oder den Weinanbau oder was es auch immer gibt.

00:13:19: Dass individualität zurücktritt hinter dem Familiensystem.

00:13:25: Ich kenne das aus welcher vielen Afrika Arbeit.

00:13:30: Die ältesten Töchter in afrikanischen Familien haben oft das Schicksal und es gilt hauptsächlich auch für den ländlichen Raum, dass sie dazu da sind die Familie zu unterstützen.

00:13:44: Und die Mutter zur Entlastung.

00:13:47: Das heißt Die ältesten Töchter werden oft die zweiten Mütter der Familien, die zweiten mütter dann für ihre jüngeren Geschwister usw.

00:13:58: Und ich erlebte es tatsächlich in meiner Arbeit, dass das so ist.

00:14:04: Und diese ältesten Töchter fangen aber gleichzeitig an zu rebellieren.

00:14:09: Also die wollen sozusagen nicht mehr die Rolle der Eltern übernehmen, sondern ihr Recht auf ein eigenes Leben verwirklichen.

00:14:17: und von daher bin ich so sehr spannend dieses Individualisierung in diesem Spannungsfeld als Angehöriger von Gemeinschaften, von Systemen und es können Familiensysteme oder Berufssysteme sein wie kriegst du das hin?

00:14:33: ... sozusagen dich als eigenständiges Individuum zu fühlen und gleichzeitig ein Teil der Gemeinschaft zu sein.

00:14:42: Und nicht deine Zugehörigkeit zu riskieren, wenn du sozusagen anders bist als alle.

00:14:51: Das ist ja mal so eine Step-Probleme!

00:14:54: Ja, ich glaube diese Muster der Zugehörigkeiten in Familien und gewisse Rollen zu erfüllen.

00:15:01: Und Verbundenheit über Zugehörigkeit aufrechtzuerhalten.

00:15:03: Das spielt ja nach wie vor eine große Rolle.

00:15:06: Das sieht man im therapeutischen Kontext oder auch wenn wir mit Gruppen arbeiten.

00:15:12: Also was ich, weil du eben gesagt hast dieser Unterschied zwischen Einsamkeit individuell... also ich würde es Wir haben eine gewisse Individualisierung hinter uns und ich würde es jetzt mal so diese radikale Individualisierung nennen.

00:15:23: Also wo wir uns radikal darauf stürzen, das heißt die idealen Werte sind sozusagen Eigenverantwortung selbst sozusagen also Karriere Status natürlich in der Gesellschaft ein gewisses Ansehen zu haben Selbstoptimierung selbst Verwirklichungen alles was immer komplett auf deinen eigenen Schultern lastet sind die höchsten Werte, die wir aktuell unserer Gesellschaft haben.

00:15:52: Wenn ein Mensch sagen würde ich bin bedürftig das ist eine absolute Schwäche.

00:15:58: also Ich kann jetzt noch mal von meiner Wahrnehmung in der gesellschaft sprechen würde ich sagen Ich fühle mich gerade bedürftig vielleicht nach Nähe und vielleicht nach einem anderen menschen.

00:16:10: Das ist schwächer.

00:16:12: Also so wird es als würde ich jetzt nicht interpretieren aber so wird's mit unserer gesellschaft wahrgenommen.

00:16:15: das heißt es gibt gewisse Werte und gewisse Dinge.

00:16:18: Und eine gewisse Bedürflichkeit als Menschen, die Gemeinschaft um sich zu haben, Menschen umsicht zu haben ist ja super wichtig!

00:16:24: Das heißt wir haben so ne Verschiebung von Werten rein hin zu diesem Selbst.

00:16:30: So das heißt... Menschen kümmern sich hauptsächlich nicht darum wie kann ich mich selbst optimieren?

00:16:37: Wie kann ich die möglichst beste Karriere für mich rausholen?

00:16:41: Wie kann ich möglichst viel Geld verdienen?

00:16:42: Welches Auto muss ich fahren, damit ich anerkannt bin und Status habe.

00:16:47: Und das ist worum sich neunzig Prozent unserer Gesellschaft hier in der westlichen Welt, du hast jetzt noch mal ein anderes Beispiel aus Afrika auch eingebracht aber dreht.

00:16:54: Das heißt was wir wahrnehmen oder so nehme ich es zwar ist eine Sinnentklärung weil für mich also natürlich kannst einen Sinn geben was in die Welt zu geben zu bewegen.

00:17:05: Aber ich glaube, wenn sich alles nur noch um dich selbst dreht.

00:17:08: Darum dass du einen guten Job hast das du viel Geld verdienst Das ist eine Sinnentlehrung und lässt uns leer fühlen weil rein biologisch gesehen sind wir ja darauf entwickelt Dass wir sagen unser Beitrag in Gemeinschaft ist oder Ich möchte ein Beitrag In gemeinschaft leisten und fühl mich dadurch eingebettet und verbunden Und dass wir das verlieren glaube ich.

00:17:27: das ist ein großes Problem dieser radikalen Individualisierung und führt dazu dass wir uns häufig sehr einsam fühlen und sinn entleert.

00:17:35: Und was machen wir, wir konsumieren dann?

00:17:38: Also in dem Sinne teile ich das, was du mir beschreibst als radikale Individualisierung würde ich beschreiben so als diese Ich-Zentrierung.

00:17:49: So dieses wirklich vom Wir zum Ich und dass ich hat immer den Vorrang vor dem Wir.

00:17:55: Das zerstört natürlich Gemeinschaften und ist gleichzeitig zumindest im westlichen Welt das Modell, was wir leben.

00:18:05: Und ich beobachte auch und da kippen wir gerade als Gesellschaft, sozusagen das Gute der Individualisierung geht uns langsam verloren weil wir es sozusagen übertrieben haben.

00:18:20: Diese Verbindung zwischen Ich-und Wir geht immer mehr verloren

00:18:24: bzw.,

00:18:25: ich hat den Vorrag.

00:18:30: Das führt tatsächlich zu Blockade von wenn's darum geht gemeinschaftlich etwas ändern zu wollen.

00:18:35: Und dann hast du ein Individualrecht, also ich mach's mal am Beispiel von München weil ich da lebe.

00:18:41: Ich glaube es wird seit dreißig Jahren von einer zweiten Stammstrecke geredet um die Verkehrssituation zu verbessern im öffentlichen Personennahverkehr und ich weiß nicht seit wieviel Jahren es individuelle Klagen dagegen gibt und diese Klagen verzögern oder haben diesen Bau der zweiten Strandstreckel unter anderem verzögert.

00:19:03: oder so ein typisches Beispiel wo sie sagen das Individualrecht vor dem Gemeinschaftsrecht oder Bedürfnis geht, nämlich wir wollen funktionierenden ... ÖPNV für alle.

00:19:19: Und von daher ist es auf der einen Seite dieses Persönliche was du beschreibst so ich habe immer Vorfahrt egal auf welcher Straße ich mich befinde.

00:19:28: und das zweite ist aber auch wir haben ein strukturelles Problem in den aus meiner Sicht Überbetonung und Übergewichtung des Individualrechts gegenüber dem Gemeinschaftswesen.

00:19:43: Also aus meiner Sicht ist ein Unding, dass wenn es darum geht beispielsweise die Energieversorgung mit nachhaltiger Energie in Deutschland zu machen das wir dann individuell im Klarenkanzler keine Trassen gelegt werden dürfen usw.

00:20:05: Das hat sozusagen nicht nur individuelle Auswirkungen, sondern das hat massive gesellschaftliche Auswirkung auch auf die Veränderungsfähigkeit und Innovationsfähigkeit.

00:20:16: Die wir als Gesellschaft brauchen.

00:20:18: in einer sich radikal und sehr schnell verändernen Welt

00:20:22: ist ja eine logische Folge davon wenn sozusagen Individualisierung und dass ich sozusagen ganz oben an der Pyramide steht, dass sich das natürlich dann auch strukturell in Gesellschaft im Politik Du hast das Beispiel gerade genannt auswirkt, weil wir gar nicht mehr diesen Gemeinschaftssinn überhaupt als Priorität im Bewusstsein haben.

00:20:43: Ich fand es schön, dass er dieses Beispiel aus Afrika gezeigt, wo es durchaus mit allen Vor- und Nachteilen diese Familiensysteme möglicherweise noch eine größere Priorität haben oder auch Gemeinshaft ... ich hab's in Kolumbien erlebt, ich war jetzt vor zwei Monaten, was circa weichen Kolumbieren... Und die sind ja teilweise bettelarmen die Menschen materialistisch finanziell gesehen.

00:21:07: Und ich hab da so erlebt, trotz dieser Armut, die es da auch gibt ... dass sie gleichzeitig sehr stark eingebettet waren in Gemeinschaft und zwar nicht nur familiär sondern auch in sozialen freundschaftlichen Beziehungen.

00:21:25: Ich habe ganz viel erlebt, dass die draußen gemeinsam in Gruppen sitzen das die Musik machen zusammen nach der Arbeit Und meistens verdienen sie so viel, dass sie genau das am Abend noch tun können.

00:21:34: Und dann am nächsten Tag müssen Sie wieder ihr Überleben sichern und jetzt müsste man ja mal so rational betrachtet sagen okay da haben wir es ja viel besser.

00:21:41: Das heißt wir müssen ja deutlich glücklicher sein hier in der westlichen Welt.

00:21:45: Habe ich so nicht erlebt?

00:21:47: Ich bin ja auch wiedergekommen und ich kam hier an um diesen Unterschied in der Energie wahrzunehmen wie drückend Ach, jeder so für sich hier rumwurschtet und agiert und kämpft.

00:21:59: Und dort war es wirklich so.

00:22:00: hey diese Gemeinschaften haben gemeinsam geguckt.

00:22:03: wie können wir unser Leben gestalten?

00:22:07: Und dann war für mich auch noch mal eine tolle Erfahrung da hatte ich ja diesen schon.

00:22:12: Dip hieß der hat das war ein Aktivist.

00:22:14: er hat sich für die Urvölker in Kolumen eingesetzt.

00:22:17: Das hat mir nochmal die zusätzliche Ebene gezeigt kämpft in der Politik und in der Gesellschaft dafür, dass die in Lebensraum zurückbekommen.

00:22:25: Dass sie wieder geschätzt werden mit ihrem alten Wissen.

00:22:28: Dass die nicht so ausgegrenzt oder an die Städte getrieben werden.

00:22:32: Und er hat eigentlich mit ziemlich viel Schmerz zu tun und war ein unglaublich erfüllter und glücklicher Mensch.

00:22:39: Einfach nur deshalb und das war meine Interpretation Ich habe mich ein bisschen mit ihm unterhalten.

00:22:43: einfach Deshalb weil einen Beitrag für eine Gemeinschaft von Menschen geleistet hat die diese Hilfe natürlich benötigen.

00:22:51: Und es hat den Sophie mir Sinn erfüllt und so glücklich ist.

00:22:56: mal ein starkes Wort, sagen wir mal zufrieden.

00:22:59: und auch eine gewisse Ausgeglichenheit hat er ausgestrahlt dadurch.

00:23:04: Es war neben dem in der Hängematte und wir haben gesprochen und das war einfach schön zu sehen.

00:23:10: Theoretisch könnte man ja sagen, der hat mit so viel Schmerz und Leid zu tun, den müsste richtig beschissen gehen.

00:23:15: Das zeigt mir aber wenn du dich ... gemeinschaftlich eingebettet fühlt und einen Beitrag an der Gemeinschaft leist ist, dass das auffängt.

00:23:22: Und es ist ja auch beim Thema Trauma.

00:23:24: Da gibt's sehr viele Studien, dass Trauma oder Untersuchungen die zeigen, dass diese traumatischen Erfahrungen, die wir viel haben in unserer Gesellschaft ganz anders reguliert werden?

00:23:34: Die Auswirkung von traumatischen Erfahrungen wenn wir eingebättet eine Gemeinsschaft sind oder ob wir allein anonym in einer Einzimmerwohnung in München sitzen um mit unserem Trauma alleine umgehen müssen.

00:23:44: Ich glaube tatsächlich auch, Diese exzessive Individualisierung, also diese Egoisierung unserer Gesellschaft das viel mehr Trauma zu tun hat.

00:24:02: Ich glaube dass oder ich kenne aus meiner Arbeit einfach diesen Zusammenhang Kinder die nicht wirklich gesehen wurden.

00:24:11: Kinder die Nicht immer im Mittelpunkt stehen durften.

00:24:14: Kinder um die es nicht ging, die nicht gehört worden die so abgeschoben wurden.

00:24:23: Diese Kinder gehen entweder tatsächlich in diese Vereinsamung und ziehen sich zurück oder sie gehen in die Rebellion, versuchen ganz viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

00:24:36: Und das sind aber nur zwei unterschiedliche Bewältigungsstrategien dafür dass es nicht um Sie ging!

00:24:44: Ich glaube sozusagen, dass diese exzessive Individualisierung einer Form von Überkompensation eines früheren Manges auch ist.

00:24:55: Und darüber, aber das wird nicht sozusagen öffentlich thematisiert sondern wir... Auch im Gesundheitswesen wird sozusagen krankerpsychische Beschwerden mentaler Gesundheit immer individualisiert.

00:25:08: also du wirst immer zu Einzelwesen betrachtet behandelt und bist dann gesund oder krank Aber Du wirst nicht gesehen und betrachtet als Teil von einer Gemeinschaft einem Familiensystem und so weiter.

00:25:20: die systemische Familientherapie hat es angefangen zu ändern.

00:25:24: Aber auch unser gesamtes Gesundheitssystem ist auf Individualgesundheit ausgerichtet, nicht auf Gemeinschafts- oder Volksgesundtheit.

00:25:36: Das finde ich spannend was du sagst weil da beißt sich ja die Katze in den Schwanz.

00:25:39: das heißt es ist ja nicht so dass wir auf einmal traumatisierte Familien Systeme haben die vom Himmel fallen und sonst alles gut ist und dadurch entsteht jetzt diese getrenntheit sage ich mal sondern Gleichzeitig muss man ja sehen, darüber haben wir eigentlich auch schon gesprochen.

00:25:55: Durch diese gesellschaftliche Entwicklung hin zu hoch profit-orientierten Wirtschaftssystemen ein Gesundheitssystem was genau die Menschen erzeugen soll die darin sozusagen fleißig arbeiten und möglichst eben nicht wollte machen.

00:26:12: Gesundheitssystem das heißt Eine Entwicklung, die Familien immer mehr in dieses Getrennt sein und in diese Überforderung auch.

00:26:22: Weil eben diese Gemeinschaft fehlt und diese Überforderungen getrieben hat.

00:26:25: Und dass daraus wiederum traumatisierte Kinder entstehen, die zwar im Überfluss leben, jede Spielzeug zu Ostern zur Weihnachtengewürze ... Die haben alles!

00:26:37: Aber irgendwas fehlt.

00:26:38: Das ist dann meistens die Präsenz, das ist die Aufmerksamkeit.

00:26:43: Wirklich auch eine gewisse bedingungslose Liebe, mit dem die Eltern präsent sich um das Kind kümmern.

00:26:49: Und natürlich ist es halt schwierig möglich in einem so leistungsorientierten System wo beide Eltern arbeiten gehen müssen und alles darauf ausgelegt auf diese individuellen Blickwinkel ausgelegt ist und diese Selbstoptimierung.

00:27:02: Dieses Alleinsein im Kinderalter ist ja ein Riesenproblem.

00:27:08: ich nenne das Wohlstandsverwahrlosung.

00:27:10: Auf einer materiellen Ebene haben die Kinder alles, was du beschreibst.

00:27:14: Und auf einer emotionalen Ebene fehlt ihnen oft die Bezogenheit, die Zugehörigkeit dieses gesehen werden

00:27:21: und

00:27:22: dass das inzwischen wirklich gesellschaftliche Folgen hat.

00:27:25: Die Briten im Großbritannien glaube ich haben die zw.

00:27:30: Achtzehn hatten sie eine Kommission gegründet, die hieß die Joe Cox Commission on Loneliness wo sie wirklich so dann untersucht haben, was bedeutet das denn für die Gesellschaft und was hat es für volkswirtschaftliche Auswirkungen?

00:27:45: Und

00:27:46: daraus eine der Konsequenzen, die daraus gezogen worden ist dass man sozusagen ein ressortgreifendes Aufgabenbeschreibung entwickelt hat.

00:27:54: Die On Loneliness and Social Connection einmal gesehen hat wir müssen uns um dieses Thema kümmern Weil das Auswirkungen hat auf unser Wirtschaftssystem, auf unser Gesundheitssystem und die mentale Gesundheit von Menschen.

00:28:11: Und dass diese Kosten überproportional steigen wenn wir uns nicht darum kümmern.

00:28:17: Das war sozusagen... ich glaube da hat Großbritannien also Vorreiterrolle in Europa übernommen weil sie auch gesagt haben Wir müssen das ins gesellschaftliche Bewusstsein hineindrücken weil es hat Auswirkung auch auf die Art und Weise wie bauen wir?

00:28:34: Also bauen wir lauter Einzelwohnungen.

00:28:37: Ich glaube in Deutschland haben wir ... ... ungefähr ... ... Singelhaushalter, also ... ... der Menschen in Deutschland leben ungefähr alleine.

00:28:52: In Bezug auf Haushalter heißt es aber dass das über ... ... sind wo wir Singel-Haushalter haben und das ist natürlich sozusagen für für Bevölkerungsplanung, für Stadtplanung ist es ja eine Katastrophe.

00:29:08: Während wir auf der anderen Seite keinen bezahlbaren Wohnraum haben gerade für junge Menschen in teuren Städten, für junge Familien.

00:29:16: also die haben sehr wohl erkannt ha ha.

00:29:18: Loneliness ist nicht nur ein individuelles Problem und eine individuelle Befindlichkeit sondern hat ne gesellschaftliche Dimension auch ne volkswirtschaftliche Dimention und das finde ich schon spannend Und da würde ich mir wünschen, dass das in Deutschland auch so gesehen wäre.

00:29:38: Weil ich weiß nicht wie es dir geht aber bei mir ist kein öffentlicher Diskurs bekannt wo wir dieses Thema allein sein als Folge dieser exzessiven Individualisierung thematisieren.

00:29:53: Ich überlege gerade so... ...ich würde schon mal eine Tese aufstellen.

00:30:00: jetzt haben wir ja einmal du hast ja gerade genannt die wirtschaftlichen Folgen vielleicht von der Vereinsamung.

00:30:04: Jetzt gibt's ja einmal wirklich so diese intensive Vereinsamung, da hab ich auch Studien gesehen.

00:30:09: Auch durch zum Beispiel nach Corona.

00:30:11: seitdem hat das ja auch unglaublich zugenommen bei jüngeren Menschen dass sie sich einsamer fühlen und ihnen das soziale fehlt.

00:30:18: Und gleichzeitig habe ich schon die These Die Wirtschaftssystem hat schon auch Angst davor weil wenn wir Menschen haben die eingebettet in Gemeinschaften leben Menschen die sozusagen ihre Lehre nicht mehr durch Konsum ... kompensieren müssen, weil sie dann... Ich kenne es von mir.

00:30:35: Also wenn's mir nicht gut geht, bin ich ziemlich schnell manchmal so auf Amazon und dann scrollte ich das nicht.

00:30:39: Was mache ich gerade?

00:30:41: Ich brauche doch gar nichts!

00:30:43: Und es zeigt mir manchmal mal so... Wenn ich mich vielleicht auch mal einsam fühle, wenn's mich nicht gutgeht,... ...dann bin ich viel anfälliger für Konsum.

00:30:52: Und ich habe schon die These und die Annahme, dass das jetzt nicht ein riesen Thema ist wo... wo vielleicht auch Wirtschaftsköpfe sagen, wenn wir richtig schöne Gemeinschaften schaffen.

00:31:04: Wo die Menschen vielleicht auch gemeinschaftliche Lebensmodelle haben?

00:31:07: Wo sie sich auffangen und sich geborgen fühlen... Das könnte ja dazu führen dass der Konsum nicht mehr so wichtig wird.

00:31:15: Und ich glaube schon das unser Wirtschaftssystem auch zum großen Teil profitiert davon, dass wir uns einsam fühlen.

00:31:22: Die Art und Weise wie unser Wirtschaftszteem organisiert ist was ja eigentlich traurig ist, weil es nutzt ja nicht mehr wirklich den Menschen sondern eigentlich den Profit und dem, was hinten rausfällt.

00:31:32: Aber das glaube ich schon.

00:31:33: Also dass da möglicherweise gar nicht so der Drive ist aber das gefährdet auch den Konsum.

00:31:42: Das ist nochmal eine spannende These und ich glaube ein spannender tatsächlich Zusammenhang.

00:31:52: Menschen die sich allein fühlen haben mehr Kompensationsbedarf und dann kaufen sie sich Zeug oder ziehen sich Zeuge rein ... um dieses Gefühl von Einsamkeit, von Alleinsein eben nicht zu spüren.

00:32:12: Und das ist so auf dieser Ebene, auf der anderen Ebene... Das hat schon mal Macchiavelli erkannt, Teile und Herrscher.

00:32:20: Das heißt sozusagen... ...vereinbrich Menschen aus Systemen heraus,... ...dass sie größere Chancen zu gewinnen.

00:32:30: Also Isolation!

00:32:32: Bringe Menschen in Isolations.

00:32:34: Dann kannst du sie leichter bekämpfen und besiegen.

00:32:37: uralte Taktiken, das auch auf militärischem Gebiet.

00:32:42: Wenn du sozusagen eine komplette Front hast, versuch einzelne Teile herauszubrechen, eine Bresche zu schlagen und dann dadurch zu marschieren.

00:32:51: Und natürlich ist unsere Konsumgesellschaft sehr auf Individualität ausgerichtet, auf individuelle Produkte und deswegen versucht ja die Werbung Tech-Gesellschaften aus den USA, die sammeln ja Daten ohne Ende über uns.

00:33:14: Um uns dann möglichst passgenauer Angebote zu machen, die wir doch bitte annehmen und dafür bezahlen.

00:33:22: Würden wir tatsächlich, hätten wir tatsächlich so ein funktionierendes Gemeinschaftssystem?

00:33:28: Und würden – jetzt spinne ich mal – hätten Hätten wir ein politisches Bewusstsein uns als Einheit zu verstehen, könnte es sein dass wir gegen diese Art und Weise der Geschäftsmodelle von Textsystemen rebellieren.

00:33:46: Du kriegst meine Daten okay?

00:33:50: Dann kriege ich aber auch von dem Gewinn!

00:33:53: Und was wir ja machen ist sozusagen das auf breiter Ebene werden unsere Daten gesammelt.

00:34:02: Der Gewinn fließt dann halt der zu vermarktenen Firma Google wie sie alle auch alle heißen zu.

00:34:11: Und du hast kein Return dafür, du bekommst kein Geld dafür dass du Daten lieferst.

00:34:18: ich würde das ändern und wenn wir das da gemeinschaftlich agieren würden.

00:34:23: Würden wir es auch hinkriegen.

00:34:25: aber auch da ist diese Vereinzelung gibt's ja nicht nur sozusagen auf dieser personalen Ebene Sondern das gibt es auch auf dieser Staatenebene, dass jedes Land macht seine eigene Gesetze und Verordnung.

00:34:37: Würde Europa da zusammenstehen und sagen Leute ihr habt hier einen selben Markt an dem ihr ganz viel Geld verdient?

00:34:44: Ihr werdet genauso besteuert wie der einzelne Arbeitnehmer und ist diese ganzen Vergünstigungen entfallen!

00:34:53: Der Widerstand denke ich würde in einer guten Gemeinschaft deutlich anders ausschauen als ... in einem getrennten Zusammenleben, wo jeder so anonym vor sich hin lebt.

00:35:05: Und ich habe auch noch eine andere These.

00:35:07: Ich glaube... Was wir ja immer mehr erleben ist sozusagen personalisierte Angriffe in den Medien,... ... unterschiedliche Meinungen auszuhalten und wirklich den Gegenüber verstehen zu wollen.

00:35:21: Radikalisierung, anonym... Anonym wird.

00:35:25: online werden Menschen fertig gemacht, die vielleicht mal eine andere Meinung haben wie jetzt vielleicht so der Mainstream als Beispiel.

00:35:32: Und ich glaube das hat damit zu tun dass eine Gemeinschaft würde regulierend auch in diesem Bereich regulierende eingreifen.

00:35:42: Das heißt Ich kann meine Ansichten über die Welt, ich kann meine Gefühle ganz anders regulieren.

00:35:48: dieses das Meinungen um Menschen getrennt nebeneinander stehen fühlt dazu, dass sich jeder bedroht fühlt vom anderen und dadurch in den Angriff übergeht.

00:35:57: Dass immer mehr personalisierte Angriffe entstehen.

00:35:59: und ich glaube tatsächlich ist diese radikale Individualisierung und dieses Getrennsein voneinander auch ein Grund warum wir anfangen uns fertig zu machen weil ich glaube auch in Gemeinschaften gibt es Konflikte.

00:36:10: Die können natürlich auch konstruktiv oder destruktiv gelöst werden.

00:36:13: Aber wir haben einen ganz anderen korrigierenden Rahmen für unsere Meinung, für unsere Emotionen und für das was wir möglicherweise oder wie wir handeln und agieren.

00:36:28: Ich beobachte ja schon seit langem dieses Phänomen in dieser starken Ich-Betonung Und ich nehme jetzt mal zum Beispiel diese Influencer Szene Also eine Person idealisiert und den zu sagen als Rollenvorbild für andere Menschen und verkauft so ihre Produkte.

00:36:51: Das ist ein Ausdruck dieser übertriebenen Individualisierung, das funktioniert aber aus meiner Sicht deswegen weil es einen Bedürfnis nach Vergemeinschaftung gibt.

00:37:09: Und wie so ein Paradoxon hast du eine Figur die für dich so ein Rollen Vorbild ist und in dem viele dieser Figur folgen, fühlst du dich wiederum als Teil einer Gemeinschaft.

00:37:22: Und das ist natürlich eine reine Illusion!

00:37:24: Weil für das reale Leben hat es ja auch keine Bedeutung, wenn du eine persönliche Krise kommst dann steht dir diese Gemeinschafe nicht nur zur Verfügung sondern das ist so sein... Das ist eine Folge- und Konsumgemeinschaft wo du in einem Herdentrieb sozusagen zum Wohle eines Einzelnen dich zusammenschließt.

00:37:47: Das ist schon höhere Grad von Verblödung, den wir da haben.

00:37:52: Wo wir eben nicht mehr realisieren wie sehr wir uns instrumentalisieren lassen und das hat mit Individualisierung überhaupt nichts mehr zu tun sondern dass es klare Herdentrieb und denen haben sich schon alle Machtsysteme und politischen Systeme zur Nutze gemacht.

00:38:11: Ich kann da direkt einhagen.

00:38:14: Also es ist ja im Prinzip viel auch in dieser Selbstoptimierungsszene.

00:38:19: Es geht darum, mich selbst zu optimieren fünf Jahre älter zu werden als du und dabei mache ich mir nicht mal Gedanken was konsumiere ich sondern Hauptsache Ich bin selbst optimiert.

00:38:30: also jetzt mal sehr radikal ausgedrückt Und ich merke das auch etwas was mich wirklich ärgert und auch so ein bisschen nicht nur ein bisschen sauer macht.

00:38:40: ich erlebt es auch in diesen ganzen speakers Szene Ähm, die sich mit dem Thema ... aufhören sich die Persönlichkeitsentwicklung.

00:38:50: Heilung, Gesundheit usw.

00:38:52: auseinandersetzt.

00:38:53: und da hab ich Menschen getroffen, die haben eine tolle Vision.

00:38:56: Du merkst so, sie wollen es an die nächste Generation weitergeben, du sitzt mit denen und spürst von Herzen, die wollen das rausbringen.

00:39:02: Es ist auch schön, dass sie damit noch Geld verdienen.

00:39:04: Völlig, völlig schön!

00:39:07: Und dann erlebe ich ... so viel Fake auch da draußen ja?

00:39:12: Wo ich denk, wow was für ein Narzissmus.

00:39:14: ... auf einer Bühne zu stehen, vor Tausenden von Menschen und vom nächsten Liebe... ...und Verbundenheit zu sprechen.

00:39:21: Und dann kriegst du irgendwie irgendein Backstage-Raum mit was eigentlich abgeht so.

00:39:26: Da merk ich so da wird auch teilweise diese Szene die ja was sehr tolles ist das heißt Menschen kommen in die Reflexion, kommen ins Bewusstsein beginnen zu reflektieren wird da wirklich wie in einer Fernsehshow missbraucht.

00:39:37: teilweise und ich glaube es wahrscheinlich auch ein normaler Mechanismus.

00:39:40: aber wo ich merke so Das ärgert mich auch richtig, weil da eine tolle Bewegung ist.

00:39:44: Man muss so aufpassen ... dass die eben nicht für die Menschen, die ganz oben stehen oder für die, die drinnen sich bewegen auf einer reinen Selbstoptimierungsebene endet.

00:39:55: und vielleicht noch ein Beispiel dazu, das ist was, was mich beschäftigt hat.

00:39:59: zum Beispiel dann reden wir von Long Javity und es ist ja alles super spannend und gut, sich da zu optimieren.

00:40:05: Und es braucht's auch, denke ich, dass wir einfach auf gewisse Dinge achten.

00:40:12: wird haufenweise Omega-Drei-Fischöl konsumiert.

00:40:16: Wer sich einmal damit mit dieser Industrie auseinandergesetzt hat, würde sofort sagen ich steig auf veganes Öl rum auch wenn es nicht ganz so viel Fettsstoffanteile, also DHEEPA und so weiter liefert wie jetzt Fischöl.

00:40:29: Nee ist das scheißegal dass die mehrere davon zerstört zu Grunde gehen diese ganzen Nachhaltigkeitsthebe die alle fakes sind usw.

00:40:37: Und da ist auf einmal die Umwelt und die Gemeinschaft scheiß.

00:40:39: egal.

00:40:40: Aber Hauptsache, ich werde ein paar Jahre älter.

00:40:42: Und da merke ich so ... Boah!

00:40:43: Da wäre ich wütend.

00:40:44: Also da fehlt eigentlich dieses Verständnis dafür.

00:40:48: Heilung passiert nicht in der Selbstoptimierung sondern Heilungen passiert in Gemeinschaft und Verbundenheit weil dort ist meistens auch Ertrennung entstanden?

00:40:58: Das stimmt.

00:41:01: Das ist genau das was ich vorhin gesagt habe.

00:41:04: Mein persönliches Wohlergehen hat absolute Vorfahrt vor dem Wohlergehen aller Und in dem Fall vor dem Wohlergehen der Fische.

00:41:16: Das ist sozusagen das Großtrauma dieser Ego-Gesellschaft, dass sie die Verbindung verloren hat zu anderen Menschen und zur Natur und zu den Tieren und Pflanzen, die die Voraussetzungen sind, dass wir überhaupt leben.

00:41:35: Wir sind als Menschen einfach Gemeinschaftswesen und zwar nicht nur Gemeinschafswesen mit anderen Menschen Sondern wir sind auch Gemeinschaftswesen mit der Natur um uns herum, mit den Bäumen.

00:41:46: Mit der Erde die uns ernährt.

00:41:50: Mit diesem Planeten sind wir ein großes Gemeinschafswesen in hochspezialisierter Individualisierung wiederum.

00:42:01: aber es braucht alle zusammen das wir leben können und in dieser Egozentrierung verlierst du genau diese Verbindung.

00:42:10: Und wenn Du die verlierst Und dann ist

00:42:14: die Folge,

00:42:15: du fühlst dich allein und zwar zu Recht.

00:42:20: Weil du dich nämlich getrennt hast von den anderen.

00:42:25: Ich habe vor zwei Jahren glaube ich so eine schöne Geschichte erlebt... ...ich war eingeladen nach Kenia ein bisschen in den Norden um da einen Frauengefängnis zu besuchen von gefangenen Frauen und einer der Frauen ist dieser ... Friedensorganisation, die mich da eingeladen hat.

00:42:45: Die fragt mich dann so auf dem Balkon stehend.

00:42:50: Warum machst du das eigentlich?

00:42:53: Und dann wollte ich so eine... Dann fing ich an, so eine Art Presseantwort zu geben.

00:42:57: So was man so halt erzählt, warum man das macht und bla bla bla.

00:43:02: Und nach drei Sätzen guckt sie mich an und sagt zu mir Das stimmt nicht!

00:43:07: Das stimmt nich!

00:43:11: Und das war sowieso ne Art Vollbremsung.

00:43:15: Fuck.

00:43:17: Und er hat dann so kurz zurückgespult und seine Baumeichen ist eigentlich wirklich, wirklich.

00:43:25: Warum hock ich mich da in dieser Minivan-Kiste?

00:43:29: Und fahre über Schopterstraßen.

00:43:32: Ich war überhaupt mal da wie so Meichendes!

00:43:38: Das kam nicht rational weil es mir überlegt habe sondern kam hoch.

00:43:43: Dann stieg in mir so dieser Satz auf... weil ich selbst heilen will und ich weiß, dass ich persönlich nicht heilen kann ohne zu Eure Heilung beizutragen.

00:44:01: Und dann schaut die mich an und sagt das stimmt!

00:44:09: Das hat mich seitdem nie mehr verlassen.

00:44:13: So dieses warum mache ich eigentlich alles?

00:44:16: Ja ich mach das schon weil ich heilen Will.

00:44:19: natürlich.

00:44:19: also wenn man sich mal meine Traumageschichte anguckt da braucht es viel Heilung.

00:44:26: Aber ich hab das erlebt und weiß, dass ich nur heilen kann wenn ich zur Heilung anderer beitrage.

00:44:32: Weil wir sind gehören einfach zusammen, wir sind einfach verbunden.

00:44:36: Egal ob ich das wahrhaben will oder nicht.

00:44:39: Ja ist schön was du sagst.

00:44:41: also ich empfinde es oder ich erlebe das ähnlich Wenn ich mit Menschen arbeite, wenn ich mit den Gruppen arbeite... ...wenn ich Seminare gebe und sehe nach ein paar Tagen wie sich die Gesichter verändern.. ..und die Menschen in tiefe Verbindungen kommen, die sie teilweise nach Ihren Aussagen mit zehn, fünfzehnjährigen Freundinnen und Freunden nicht haben.

00:45:01: Und diese Verbindung und Entschleunigung erleben... ...und dieser Heilungstück passiert dann heilig auch jedes Mal ein Stück mit.

00:45:07: Das ist wie so, ach!

00:45:10: Und gleichzeitig, das ist das Spannende immer zu beobachten, dass dieses System... ...das Wirtschaftssystem, ich meine mit University... Es ist nur Unternehmen-Hiversity, es muss am Markt bestehen usw.. Und dann bist du unter diesem Marktdruck, gehst durch die Krisen.

00:45:27: Hast das, hast jenes, musst dir über Marketing Gedanken machen und ich merk so wenn ich in dieser Energie bin... Da heil' ich nicht!

00:45:34: Das ist nicht der Ort wo ich heile, dass es nicht der dort wo ich gesund bin.

00:45:40: Das Binn ist dann wenn ich wirklich in diese Arbeit bin und ich erlebe sozusagen Ich kann mitheilen aber auch Heilung irgendwie zum gewissen Grad ... einen Rahmen schaffen, in dem das passieren kann und dass ich jetzt direkt was dazu tun muss.

00:45:56: Ja

00:45:57: also da würde ich zustimmen.

00:46:01: Naja und wenn du das so sagst aber dieses Warum habt ihr damals überhaupt University gegründet?

00:46:08: Und finde dich das so daran erinnerst... Da gab es ja wirklich eine Idee und so ein Feuer und so eine Mission, was hier eigentlich erreichen wollte.

00:46:22: Soweit ich mich erinnere, hattet ihr am Anfang nicht.

00:46:26: Ich will reich und berühmt werden, sondern das war ja so.

00:46:31: wir wollen dieses Gesundheitssystem insofern verändern dass es sozusagen nicht Leute in die Krankheit treibt an so ein Reparatursystem wird, sondern dass Menschen ihre Gesundheit wieder in die eigene Hand nehmen für sich beginnen zu sorgen und auch vorzusorgen, was natürlich enorme volkswirtschaftliche Entlastungseffekte hätte.

00:46:57: Wir haben glaube ich das teuerste Gesundheitssystem in der EU und sind nur auf Platz siebzehn der Volksgesundheit.

00:47:03: also wir verbrennen sozusagen so viel Geld.

00:47:06: ihr hättet ja echt einen volkschaftlichen Nutzen gestiftet.

00:47:10: Ich glaube da können wir nochmal eine Folge drüber machen.

00:47:12: tatsächlich Ich mein, du hast ja auch deine Vergangenheit unternehmerisch, sag ich mal.

00:47:18: Wo du viel zu mir so berichtet hast, viel gelernt hast und auch hingefallen bist und alles Mögliche... so erlebt hast.

00:47:26: Und ich glaube, das gibt ein bisschen einen Herflug.

00:47:28: auch was, was ich so mit University ... oder wir arbeiten auch gemeinsam, auch innerhalb von University... auch möglicherweise so erlebt haben, was für Dynamiken es gibt und die entstehen können, wenn man in einem alten System agiert, was einen wie so'n Sog reinziehen kann, obwohl die Vision hier noch ganz woanders steht ja?

00:47:46: Und man immer wieder nachkorrigieren muss und was für eine Energie das auch kosten kann.

00:47:49: Ich glaub', ich wär fast nochmal ne eigene Folge wert!

00:47:53: Was ich jetzt noch spannend finde Bevor wir zum Ende kommen, auch mit dem Podcast.

00:47:59: Für die Menschen, die uns gerade so zuhören... Jetzt fühle ich mich einsam jetzt.

00:48:06: Habe ich genau dieses Thema?

00:48:07: Ich hänge neunzehn Stunden am Tag in der Arbeit.

00:48:11: Ich will Geld verdienen aber irgendwas fühlt sich da leer an.

00:48:16: Wir leben ja auch in einer Gemeinschaft bis dato und haben dort auch unsere Erfahrungen gemacht.

00:48:21: Aber was könnt Axel würdest du denn so mitgeben für die Menschen die uns zuhörten?

00:48:30: Ich glaube, dass wenn wir glücklicher und gesünder werden wollen, dass wir Vergemeinschaftung neu lernen dürfen.

00:48:38: Jeder von uns hat ja Gemeinschaftserfahrungen.

00:48:41: Wir sind alle in Familien groß geworden.

00:48:43: Und ich glaube, wir haben auch insgesamt ein feines Gespür.

00:48:46: welcher Art vom Gemeinschaffen tut uns gut?

00:48:49: Und welche nicht?

00:48:52: Es gilt wieder zu lernen, zu schauen wie kann ich mich auf eine gute Art und Weise mit Menschen vergemeinschaften?

00:49:03: Und welche Menschen sind das?

00:49:04: Wo und wie finde ich die.

00:49:08: Das hat schon Goethe gesagt, als er von den Wahlgemeinschaften den Wahlfamilien, den Wahlverwandtschaften sprach.

00:49:18: Ich glaube dass heute wichtig ist sozusagen so diese rauszufinden.

00:49:28: was verbindet uns eigentlich.

00:49:31: Was sind die Themen, die uns interessieren?

00:49:35: Würden wir gerne was zusammen machen?

00:49:37: Ich habe gerade zum Bericht gesehen über, ich glaube das war irgendwo im Norden von Bayern.

00:49:48: Da hast du ja dieses Wirtshaus sterben.

00:49:51: In den letzten Jahren sind die Hälfte der Dorf-Würzeuse einfach verschwunden und da haben sich acht Leute zusammengeschlossen.

00:50:05: Wir wollen unsere Dorfkneipe, wir wollen die erhalten.

00:50:10: Und dann haben den verfallenen Gebäude saniert und da waren halt Handwerker, Schlosser, Schreiner usw.

00:50:16: Und haben das gemacht und haben sich dann ein Konzept ausgedacht.

00:50:18: so wie finden wir jetzt einen Wirt der das Ding betreibt und sozusagen ihr Individualinteresse war?

00:50:26: weil wir wollen eine Kneipe haben wo wir hingehen und was trinken und essen können und was uns gut schmeckt Und das Gemeinschaftsinteresse war und wir wollen ein Ort haben, wo wir uns treffen können.

00:50:36: Wo wir unsere Gemeinsschaft aufrechterhalten können.

00:50:39: Das war die Kerngruppe und dieses Dorf hat diese Dorfkneipe wiederaufgebaut.

00:50:46: Das ist heute der Lebensmittelpunkt oder der sozialen Mittelpunkt dieses Dorfs, wo sich die Leute treiben – die Sportvereine, Schützenvereine rund und rund.

00:50:56: Ich glaube, das sind so Vorbilder für ... Wie kann man sich neu vergemeinschaften?

00:51:04: Ja, so ein schönes Beispiel.

00:51:07: Erich Fromm hat gesagt das tiefste Bedürfnis des Menschen ist eine Getrenntheit zu überwinden passt irgendwie ganz gut zu unserer Folge und ich würde mich da anschließen.

00:51:18: Ich glaube wenn wir versuchen diese Getrennhalt zu überwindet können wir das destruktiv tun indem wir Netflix gucken, indem wir Alkohol trinken in dem wir konsumieren kaufen shoppen gehen usw.

00:51:30: ist keine echte Überwindung, sondern es eher eine Füllen dieser Lehre durchs Getrenntsein.

00:51:35: Oder wir kehren wieder zurück dahin.

00:51:37: ich gehe in einen Verein.

00:51:39: Ich bin wirklich wieder präsent für die Menschen im meinem Umfeld und nicht so nebenbei mal zufällig wenn man sich irgendwo trifft Sondern ich räume mir wieder Priorität und Zeit für Beziehungen ein.

00:51:50: Ich glaube damit fängst überhaupt erst Mal an Und ich sehe das nicht als Belastung weil ich habe häufig das Gefühl dass wir in dieser ... individualisierten oder radikal-individualisierten Welt.

00:51:59: Es ist schon als Belastung sehen, wenn wir uns am Abend auch noch treffen müssen so.

00:52:02: Das ist dann wie eine soziale Last also... Also mir geht es jetzt selten so aber ich krieg das schon immer mal wieder mit, auch bei Menschen.

00:52:08: Wo ich mir denkst du wow!

00:52:09: Nee, dass ist genau das wo wir Heilungen und wieder ne Verbundenheit finden.

00:52:16: Und ich glaube der nächste Schritt ist und da haben wir ja auch schon Experiment gestartet.

00:52:19: Möglicherweise mal sagen die ist es denn, wenn ich auch gemeinschaftlich lebe?

00:52:22: Und das heißt nicht muss man in einer Kommune leben, wo jeder ein Zimmer hat sondern ich kann Etwas schönes herrichten kann möglicherweise in mehreren Parteien leben, aber ich denke und lebe wieder als Gemeinschaft.

00:52:34: Und seitdem ich zumindest, ich kann von mir persönlich sprechen hat sich bei mir schon noch mal einiges verändert.

00:52:40: also ich war zuvor bevor wir hier eingezogen sind vor zweieinhalb Jahren im Hof war ich eine Einzimmerwohnung in München Und da hab ich definitiv eher mal Netflix konsumiert oder eher mal bin ich so ein bisschen im Konsum verfallen.

00:52:56: Das ist hier anders, da hocke ich mich hier setzlich hin und mach Musik, pack meine Gitarre aus, weil auch andere Leute noch musikalisch sind hier dann sitzt man da zusammen... ...und daher hat sich schon was auf jeden Fall verändert in mir durch das Leben von Gemeinschaft Auch wenn wir glaube ich nochmal extra drüber sprechen natürlich auch viel lernen und es nicht immer einfach ist wirklich zu organisieren.

00:53:17: aber Ich glaube, wie du gesagt hast geht darum es wieder zu lernen.

00:53:20: Ja ja ich denke das ist wirklich die Aufgabe und das kann ja auch Spaß machen dieses sich neu für Gemeinschaften zu lernen.

00:53:30: und mit wem würde ich das denn gerne machen?

00:53:33: Und was total hilfreich dabei ist wenn man sozusagen ein gemeinsames Thema hat oder ein gemeinsames Projekt was man wirklich realisieren möchte weil Ich sehe das in meiner Arbeit in Afrika.

00:53:49: Ich war jetzt im Januar, habe ich nur einen Township in Kapsstadt gearbeitet mit Straßenkindern und dort mit dem Betreuerin dieser Straßenkinder.

00:54:02: Und die kommen alle aus Townships.

00:54:05: In diesen Township gibt es viel Gewalt und Gewalt heißt hohe Mordrate.

00:54:17: Viel Gewalt gegen Frauen, viel sexuelle Gewalt Übergriffe.

00:54:24: Und da arbeite ich mit den Frauen und die fand es auch toll, das war auch hilfreich.

00:54:28: Dann gehen sie abends wieder nach Hause in ihre alte Heimat und erleben wieder genau dieselbe Gewalt, die sozusagen mit mir thematisiert haben und wo sie eigentlich raus wollen.

00:54:40: Mir ist jetzt gerade in diesen letzten zwei Jahren in meiner Arbeit noch mal so klar geworden wir können gar nicht so viel Therapie- und Traumotherapie machen Sondern es muss zusätzlich, muss sich was an den System ändern.

00:54:58: Das heißt in diesem konkreten Fall diese Frauen brauchen sicheren Ort wo sie wohnen und arbeiten können ihre Kinder Zugang zu Bildung haben.

00:55:06: das heißt wir müssen auch diese Orte schaffen Wo ein sicheres gemeinschaftliches Leben möglich ist Und nicht immer wieder unsere toxischen Beziehungen oder toxische Umgebung zurückgehen weil sonst Sonst machen wir genau dass was wir in unserem Gesundheitssystem nämlich auch machen.

00:55:28: Wir leben oft in toxischen Umgebungen, in toxische Beziehung und in toxischer Arbeitsbeziehung tun das alles um es durchzuhalten... ...um da leistungsfähig in diesen Systemen zu bleiben.

00:55:42: Das kostet ein Haufen Geld und bringt aber keinen wirklichen Fortschritt wenn wir nicht bereit sind diese Systeme zu verändern, die uns eigentlich krank machen oder in Gewalt halten.

00:55:57: Und das wird mir immer klarer, dass wir sozusagen als Individuen keine Chance haben auf Dauer gesund zu bleiben sondern wir brauchen dazu die anderen und wir müssen uns auch Rahmenbedingungen schaffen indem es uns gelingt.

00:56:12: Da ist ja so eine Zusammenarbeitsebene von dem alten Konzept der Konkurrenz hin zur Co-Kreation.

00:56:17: Wir versuchen gemeinsam was zu kreieren Ja, um es einfach einen besseren Ort zu schaffen.

00:56:26: Das würde so viel Kreativität in Bewegung machen und das würde auch so viel Spaß machen.

00:56:31: Und gerade wir Deutschen haben zwar Humor aber sind auch gleichzeitig ziemlich belastet und spaßbefreit.

00:56:45: Das wird uns auf mehreren Ebenen tatsächlich helfen Und das wäre so diese Möglichkeit, unsere individuellen Talente und Fähigkeiten die wir haben einzubringen für etwas was uns wichtig ist.

00:56:57: Was anderen nützt?

00:56:58: Das ist doch cool!

00:56:59: Total.

00:57:00: Das heißt es wär jetzt unsere Chance gemeinschaftlich noch rechtzeitig richtig abzubiegen.

00:57:05: also nicht so wie wir es kennen mit einem äußeren Feindbild usw.

00:57:09: um wirklich zu sagen hey Gemeinschaft auf Augenhöhe und Gemeinsschaft in der starke Individuen sein können

00:57:18: Das ist ja genau das, was wir machen.

00:57:19: Dieses im Englischen heißt es so schön Other Ring Also ich und da sind die anderen.

00:57:26: Ich tue so als hätte es nichts mit mir zu tun Und zum einen haben wir diese Tendenz Wir stigmatisieren den oder die andere Als Feindbild Und auf der anderen Seite überbetonen wir sozusagen uns als Maß aller Dinge.

00:57:44: Und das wieder wirklich zu lernen.

00:57:50: Wenn ich dich wirklich sehe und wenn ich dir zuhöre, dann merke ich doch wie ich mich mit dir verbinde.

00:57:57: Und dieses Klischee über dich oder dieses Feindbild löst sich auf einmal in den Wohl gefallen auf.

00:58:03: Ich denke eigentlich bist du wie ich nur anders.

00:58:09: Stimmt, Mensch wie Du!

00:58:12: Ja Axel vielen Dank für die Gedanken, fürs Gespräch, für die Folge zum Thema radikale Individualisierung.

00:58:19: Schonungslos und ehrlich.

00:58:20: Aber liebevoll dabei.

00:58:22: Bis nächstes Mal,

00:58:23: bis dann!

00:58:24: Ciao.

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